Der Mr. Olympia 2026 ist vorüber und bot Bodybuildingfans einige Überraschungen. Ähnlich wie im vergangenen Jahr wurden in vielen Klassen neue Sieger gekürt und bei Weitem nicht jede Entscheidung fiel eindeutig aus. Ein Blick auf die Scorecards verrät, wie knapp die Ergebnisse zum Teil ausfielen.
Samson Dauda gewinnt zweiten Tag in der Open
Das Open Bodybuilding beim Mr. Olympia ist ein Wettkampf, der an zwei Tagen gewertet wird. Während es in der Vergangenheit Jahre gab, in denen man hätte meinen können, dass dies nur auf dem Papier gelte, zeigten die Scorecards in der jüngeren Vergangenheit immer wieder, dass am Finaltag generell weiterhin alles möglich ist. In diesem Jahr traf dies insbesondere auf die Spitze zu.
Samson Dauda lag im Rahmen der Vorwahl noch auf Platz 3 und die Judges machten auf ihren Wertungszetteln ein enges Rennen zwischen Nick Walker und Derek Lunsford aus. Doch der Brite, der auch am ersten Wettkampftag bereits besser aussah als im Vorjahr, konnte sich zum Finale nochmals erkennbar steigern und wurde eindeutig auf den ersten Rang gewertet.
In der Summe reichte es dann letztlich dennoch nicht für den Sieg. Nick Walker holte sich seinen ersten Olympia-Titel mit zwei Punkten Vorsprung und ließ die Tür für eine Revanche im kommenden Jahr offen.
Verschiebungen hinter der Top 5
Doch auch dahinter gab es einige Verschiebungen zwischen Prejudging und Finale. Behrooz Tabani lag am ersten Wettkampftag mit 49 Punkten noch auf Platz 10 und konnte sich im Finale deutlich verbessern. Auch wenn der Iraner nicht ganz so präsent auf der Bühne antrat, wie einige Fans es sich erhofft hatten, war es ein guter zweiter Olympia für den IFBB Pro, der sich im kommenden Jahr fraglos noch weiter nach vorne arbeiten will.

Gleiches gilt fraglos auch für die meisten anderen Starter. Insbesondere Martin Fitzwater dürfte vom Wettkampfverlauf enttäuscht gewesen sein. Der hoch veranlagte Open Bodybuilder stand in der Vorwahl bereits im zweiten Callout nur am Rand und wurde im Finale sogar noch schlechter gewertet. Ähnlich erging es auch einigen anderen Athleten außerhalb der Top 10, sodass der Wettkampf aus Fanperspektive in jedem Fall unterhaltsam war.
Mike in der Classic schlechter gewertet als in den vergangenen Jahren
Zweimal hatte Mike Sommerfeld sich bereits mit dem Vize-Titel beim Olympia begnügen müssen und beide Male war die Punktzahl auf seiner Scorecard einstellig, was bedeutet, dass mindestens zwei Judges (inklusive des Streichergebnisses) ihn auf dem ersten Rang gesehen haben müssen. Bei seinem dritten Vize-Titel war dies nun anders.

Obwohl Niall Darwen als neuer Olympia-Champ mit 7 Punkten alles andere als einstimmig auf den ersten Platz gesetzt wurde, blieben beim Deutschen am Ende 10 Punkte stehen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie dies zustande kam. Wenn man aber davon ausgeht, dass keiner der sieben Kampfrichter Niall Darwen auf dem dritten Platz hatte, so bliebe nur folgende Möglichkeit, wie die Judges gewertet hätten (jeweils ein Streichergebnis beste und schlechteste Platzierung).
Auch dahinter waren die Ergebnisse keinesfalls eindeutig. Während der zweifache Arnoldsieger Wesley Vissers erstmals die Top 5 beim Olympia knacken konnte, verpasste Luca Reger mit Platz 11 nur knapp den Einzug ins Finale.

Wie die Scorecard beweist, darf der Deutsche für das kommende Jahr den Blick weiter nach oben richten.
Denise Zwinger-Tynek schießt in die Top 3
Auch Denise Zwinger-Tynek hat allen Grund, selbstbewusst im kommenden Jahr nach mehr zu streben. Nachdem die Deutsche bei ihrem Olympia-Debüt sensationell den vierten Platz erreichte und denkbar knapp die Top 3 verfehlt hatte, schaffte sie das selbst gesteckte Ziel und arbeitete sich einen Platz nach vorne.

Wie die Scorecard zeigt, gab es einige Judges, die die Figure-Athletin sogar noch besser gesehen haben, was das Selbstbewusstsein fürs kommende Jahr weiter stärken dürfte. Die dahinterliegenden Punkteverteilungen sind weniger spektakulär. Aus deutscher Sicht darf Lena Ramsteiner, Jennifer Zienert und Dorethane Agathina aber nochmals zum Einzug in die Top 5 bzw. Top 10 gratuliert werden.
(Keine) Wachablösung in der 212
Ist Keone Pearson als Olympia-Champ schlagbar? Diese Frage stellte man sich im Vorfeld des Mr. Olympia 2026, nachdem sich der US-Amerikaner im Vorjahr nicht optimal auf der Bühne präsentiert hatte. Doch auch wenn die Vorwahl der 212 nur mit Einschränkungen von zu Hause verfolgt werden konnte, war schon kurz nach Beginn des diesjährigen Wettkampfes klar, dass es kein Vorbeikommen am mehrfachen Olympiasieger geben würde.
Größer waren dagegen die Überraschungen auf den dahinterliegenden Plätzen. Während Shaun Clarida im Vorjahr dem späteren Sieger gefährlicher werden konnte, als diesem lieb gewesen sein dürfte, und 2025 sogar noch einen Open-Wettkampf für sich entscheiden konnte, fiel er beim Olympia 2026 nicht nur aus Sicht der Platzierung deutlich ab. Mit 17 Punkten hatten mehrere Kampfrichter den zweifachen Olympia-Sieger noch schlechter als auf Platz 3 gesehen, was als Hinweis verstanden werden kann, dass es im nächsten Jahr nicht einfacher für den Bodybuildingveteranen wird.

Ähnlich erging es auch Angel Calderon Frias, der viele Jahre fester Teil des First Callouts war und in diesem Jahr nach der verletzungsbedingten Pause im Vorjahr nur auf Platz 15 kam. Ob die Wachablösung in Zukunft unter anderem durch den Türken Nihat Kaya gelingt, bleibt abzuwarten. Der junge 212-Athlet landete im Vorjahr noch mit 19 Punkten auf dem zweiten Platz, sodass die Erwartungen entsprechend groß waren.
Ganz gerecht konnte der 23-Jährige diesen in diesem Jahr nicht werden. Dass er das Gewicht erst auf den letzten Metern schaffte, sah man dem IFBB Pro auf der Bühne an und die Judges setzten ihn mit 26 Punkten lediglich auf den fünften Rang.
Ali Bilal erneut mit 12 Punkten nur Zweiter
In der Men’s Physique wiederholten sich die Scorecard-Ergebnisse, wenn auch mit anderen Namen. Ganz an der Spitze war zum vierten Mal in Folge Ryan Terry zu finden, der damit den Rekord von Jeremy Buendia einstellte. Der Brite kündigte bereits an, trotz gesundheitlicher Herausforderungen, mit denen auch er zu kämpfen hat, im kommenden Jahr einen fünften Titel hinzufügen zu wollen. Wenn es nach den Judges geht, gibt es derzeit auch niemanden, der ihm tatsächlich gefährlich werden könnte.

Schon im Vorjahr wurde der Herausforderer Ali Bilal mit 12 Punkten auf den zweiten Rang verwiesen und auch in diesem Jahr hatten offenbar einige Kampfrichter den Afghanen nicht ganz so weit vorne gesehen. Anders als jedoch im Vorjahr war nicht der zweifache Olympia-Sieger Brandon Hendrickson mit 13 Punkten dicht auf den Versen, sondern in diesem Jahr Kyron Holden.

Der US-Amerikaner konnte auf der Pittsburgh Pro überraschend Ali Bilal schlagen und ging als Mann der Stunde in den Olympia-Wettkampf 2026. Auch wenn die Judges ihm im Rahmen der Vorwahl durchaus die Chance gaben, im Dreiervergleich die Center Position zu nutzen, reichte es am Ende letztlich doch nicht ganz, Ali Bilal ein zweites Mal auf der Bühne zu schlagen.
Kür wirft die Wertung in der Fitness auch in diesem Jahr durcheinander
Die Fitness-Klasse ist die einzige Kategorie beim Olympia, in der neben der körperlichen Entwicklung auch die Leistungsfähigkeit der Teilnehmerinnen bewertet wird. Während das Line-up zu einem Drittel in die Gesamtwertung eingeht, macht die Kür zwei Drittel aus. In den vergangenen Jahren sorgte dies immer wieder dafür, dass die Wertungen des Finals gänzlich anders ausfielen als in der Vorwahl, und auch beim Olympia 2026 war dies erneut zu beobachten.

Während es an der Spitze mit Michelee-Fredua-Mensah keinen Zweifel gab und die Britin sich zum Vorjahr deutlich steigern konnte, verloren Allison Dominguez und Stephanie Jones deutlich an Boden. Beide Athletinnen waren in der Vorwahl noch in den Top 3, fielen aus diesen dann jedoch aufgrund der Kürwertungen im Gesamtranking heraus.
Die vollständigen Scorecards aller Klasse auf der Seite der IFBBPro.com.
Titelbild: Instagram


















