Beim Mr. Olympia 2026 wird die Classic Physique die einzige Kategorie sein, in der Deutschland bei den Männern vertreten sein wird. Während im vergangenen Jahr noch vier Profis an den Start gingen, reduziert sich die Zahl in diesem Jahr auf zwei qualifizierte Athleten. Sowohl Mike Sommerfeld als auch Luca Reger könnten die besten Ergebnisse ihrer bisherigen Profi-Laufbahn erreichen.
Zweikampf um den Titel?
Nachdem Chris Bumstead im Anschluss an den Olympia 2024 seinen Rücktritt erklärt hatte, galt Mike Sommerfeld als der große Favorit auf den Titelgewinn. Der Deutsche konnte dem Kanadier bei dessen letztem Olympia-Erfolg sogar Punkte abringen und holte im Anschluss den Titel bei der Arnold Classic in Ohio. Beste Voraussetzungen, um den Olympia-Sieg folgen zu lassen.
Doch Diskussionen um die Größe der Athleten führten zu einer Neuvermessung aller Classic-Teilnehmer. Mike Sommerfeld musste in den letzten Tagen nochmals Gewicht abwerfen und präsentierte sich nicht wie erhofft auf der Olympia-Bühne. Am Ende wurde es ein denkbar knapper Kampf, den der Brasilianer Ramon Dino für sich entscheiden konnte.
Auch wenn der Südamerikaner seitdem selbstbewusst davon spricht, eine eigene Siegesserie aufbauen zu wollen, darf das tatsächliche Ergebnis des Mr. Olympia 2025 nicht vergessen werden. Nur ein Punkt trennte Mike Sommerfeld auf den Scorecards vom historischen Erfolg, sodass man keinesfalls davon sprechen kann, dass Ramon Dino in diesem Jahr als Favorit ins Titelrennen gehen würde.
Terrence Ruffin will so schwer kommen wie noch nie
Im vergangenen Jahr entschieden die Judges sich dafür, im Last Callout drei Athleten auf die Bühne zu holen und jeden von ihnen einmal in der Center Position zu vergleichen. Ob man in diesem Jahr erneut so eine Spannung aufbauen will oder sich auf den oben beschriebenen Zweikampf fokussiert, bleibt abzuwarten. Sollte es jedoch erneut zu mehr als zwei Athleten im Final Callout kommen, ist Terrence Ruffin der wahrscheinlichste Kandidat.

Der US-Amerikaner konnte zweimal die Arnold Classic gewinnen und war wie auch Mike Sommerfeld bereits Vize-Olympia. Bislang füllte der erfahrene IFBB Pro das Gewichtslimit noch nicht aus, kündigte für diesen Olympia allerdings an, so nah wie noch nie heranzukommen. Auch wenn Terrence Ruffin insbesondere in der Offseason eher unspektakulär aussieht, ist er in Bühnenform für viele Fans die wahre Definition der Classic Physique.
Die Top 5 wird neu besetzt werden
Sollte nichts Unerwartetes passieren, ist zu erwarten, dass die drei bereits genannten Athleten auch in diesem Jahr mindestens in der Top 5 wiederzufinden sind. Wie diese weiter aufgefüllt wird, bleibt allerdings abzuwarten. Dadurch, dass der letztjährige Vierte Josema Munoz ins Open Bodybuilding gewechselt ist, wird mindestens ein neuer Athlet in die Top 5 vorrücken.
Zunächst will sich aber fraglos Niall Darwen weiterhin in dieser behaupten. Der Brite gewann in diesem Jahr sowohl die New York Pro als auch die Pittsburgh Pro und unterstrich damit seinen Anspruch auf eine gute Olympia-Platzierung. Möglicherweise entscheiden die Judges sich sogar für einen Vierervergleich, um die Spannung für die Fans zu erhöhen.
Damit wäre noch ein Platz in der Top 5 zu vergeben, den sicher mehr als ein Athlet ins Auge gefasst hat. Diego Galindo musste sich in New York und Pittsburgh zweimal Niall Darwen geschlagen geben und kam im vergangenen Jahr auf Platz 6 in Las Vegas. Das Aufrücken wäre für den Kolumbianer die vermeintlich logische Konsequenz. Wenn es da nicht einige neue Namen gäbe.
Allen voran ist Wesley Vissers zu nennen. In Abwesenheit von Mike Sommerfeld, der das Gewichtslimit bei der diesjährigen Arnold Classic nicht geschafft hatte, holte der Niederländer sich seinen zweiten Titel in Ohio. Von den Judges bekam er das Feedback, die notwendige Härte bringen zu müssen, um in die entscheidenden Vergleiche zu kommen, und die letzten Formupdates deuten darauf hin, dass der IFBB Pro nach seiner Olympia-Pause im vergangenen Jahr seine Hausaufgaben gemacht hat.

Ein anderer Name, der die Fantasie der Fans beflügelt, ist der in der Ukraine geborene Anton Ratushnyi. Wenige Wochen vor seinem ersten Olympia präsentierte sich der 22-Jährige bei einem Gastauftritt in spektakulärer Form, lag allerdings auch noch deutlich über seinem erlaubten Gewichtslimit. Sollte er jedoch mit einem ähnlichen Paket in Las Vegas antreten, könnte der Classic-Physique-Athlet für eine kleine Überraschung beim Olympia 2026 sorgen.
Drei Plätze sind in der Top 10 neu zu vergeben
Doch nicht nur in der Top 5 ist mindestens ein Platz neu zu besetzen. Zwei weitere Slots sind auf den dahinterliegenden fünf Plätzen frei geworden. Während Michael Daboul trotz knapper Olympia-Quali auf die Teilnahme in diesem Jahr verzichtet, hat der Vorjahresneunte Justin Badurina die erneute Olympia-Quali verpasst.
Während auf der einen Seite Olympia-Rückkehrer wie Vahid Badpei oder Gabriel Zancaneli diese Chance nutzen wollen, machen sich vermutlich auch die Asiaten Jaehun Park und Chen Kang Hoffnung. Beide waren bereits in der Top 10 platziert, verpassten diese beim Olympia 2025 jedoch deutlich.

Ein Name, mit dem man jedoch in jedem Fall rechnen sollte, ist Piotr Wojtowicz. Der Pole gewann vor einem Jahr in Offenbach seine erste Olympia-Quali und sticht durch seine fast schon comichaften Proportionen heraus. Durch die frühe erneute Quali, die er sich bereits Ende 2025 gesichert hatte, hatte der Osteuropäer in diesem Jahr deutlich mehr Zeit, sich auf den Wettkampf in Las Vegas vorzubereiten und den nächsten Schritt in seiner sportlichen Karriere zu gehen.
Luca Reger zum dritten Mal beim Olympia
Deutsche Fans werden neben Mike Sommerfeld insbesondere Luca Reger die Daumen drücken. Der zweifache Olympia-Teilnehmer wechselte in diesem Jahr seinen Coach und ist nun ebenfalls wie Mike Sommerfeld bei Neil Hill in der Betreuung. Gemeinsam mit diesem holte er sich nicht nur die erneute Olympia-Quali, sondern will beim Olympia auch sein bislang bestes Ergebnis hinlegen.

Zweimal verpasste der Classic-Physique-Athlet bislang eine Platzierung, doch die Chancen stehen gut, dass sich dies in diesem Jahr ändert. Insgesamt neun Athleten, die im Vorjahr noch in der Top 15 gelandet waren, treten beim diesjährigen Olympia nicht an. Auch wenn Luca Reger bei seinen zwei Erfolgen in diesem Jahr keine großen Namen schlug und in Portugal zuletzt nur auf Platz 3 landete, ist der Olympia 2026 Chance und Bewährungsprobe zugleich.
Titelbild: Instagram

















