Auch wenn die 212-Division sich keiner so großen Beliebtheit erfreut wie das Open Bodybuilding oder die Classic Physique, bietet sie dennoch spektakuläre Athleten, die nachgewiesenermaßen auch in der offenen Klasse mithalten können. In diesem Jahr ist der Verlauf des Wettkampfes jedoch so unvorhersehbar wie vielleicht noch nie. Während Keone Pearson im letzten Jahr zeigte, nicht unschlagbar zu sein, fehlen gleichzeitig ganze fünf Athleten, die im Vorjahr noch in den Top 10 platziert waren.
Keone Pearson nicht unschlagbar?
Es ist noch nicht lange her, dass Pearson eigentlich als unschlagbar in der 212 galt. Der US-Amerikaner sprach selbst öffentlich davon, eine Ära in dieser Klasse prägen zu wollen. Auch wenn er den Namen in diesem Zusammenhang nicht genannt hat, dürfte sicherlich die Siegesserie des Walisers Flex Lewis ein Antrieb für dieses Ziel gewesen sein. Doch das vergangene Jahr bewies, dass Keone Pearson keinesfalls unschlagbar ist.
Beim Olympia 2025 dominierte der mehrfache Olympia-Champ keinesfalls so, wie Fans dies im Vorfeld erwartet hätten. Shaun Clarida wurde dem amtierenden Champ gefährlicher, als es ihm lieb gewesen sein dürfte, sodass Keone Pearson es in diesem Jahr selbst in der Hand hat, wohin die Reise geht. Diesen Weg bestreitet er jedoch nicht länger mit Patrick Tuor.
Nach dem Wettkampf in Las Vegas im vergangenen Jahr trennte sich Keone Pearson von seinem langjährigen Coach Patrick Tuor, der ihn überhaupt erst zum Olympia-Titel geführt hatte. Dass dies nicht automatisch zu mehr sportlichem Erfolg führte, zeigte die anschließende Prag Pro 2025. Während im Vorfeld viel über das Abschneiden des 212-Champs spekuliert wurde, verpasste er am Ende deutlich die Top 3. Es darf somit mit Spannung erwartet werden, welches Paket Keone Pearson beim Olympia 2026 präsentieren kann.
Mindestens drei Athleten wollen Keone Pearson schlagen
Im vergangenen Jahr verglichen die Judges vier Athleten im Final-Callout der 212 und auch in diesem Jahr wollen diese drei Herausforderer um den Titel mitkämpfen. Allen voran ist zweifelsfrei Shaun Clarida zu nennen, der den Titel bereits zweimal holen konnte und bereits das zwölfte Mal beim Olympia antreten wird! Im vergangenen Jahr gewann der Giant Killer sogar erneut einen Open-Wettkampf und wird es Keone Pearson zweifelsfrei nicht leicht machen.
Gleiches gilt für den Brasilianer Lucas Garcia. Der ausgeglichene 212-Athlet holte im vergangenen Jahr gleich zwei Siege, bevor er beim Olympia 2025 auf Anhieb die Top 3 knacken konnte. Auch wenn die Scorecard zeigte, dass nicht alle Judges ihn so weit vorne hatten, wird der Südamerikaner fraglos den Blick nach oben gerichtet haben.
Aufhalten will ihn dabei der türkische Superstar Nihat Kaya. Der von Patrick Tuor betreute 212-Athlet gab ebenfalls im vergangenen Jahr sein Olympia-Debüt und qualifizierte sich mit dem ungefährdeten Sieg bei der Portugal Pro. Das Ziel seines Coaches ist es, weiterhin an der Muskelqualität zu arbeiten. Strukturell ist der Mitte-20-Jährige in jedem Fall bereits ein Ausnahmeathlet, auch wenn es dieses Jahr vermutlich noch nicht für den Titel reichen wird.
Kampf um die Top 5 so offen wie in keiner anderen Klasse
Wenn Formulierungen dazu getroffen werden, wie eng der Kampf um eine gewisse Platzierung ist, soll damit meist auch eine gewisse Spannung aufgebaut werden. Doch beim Olympia 2026 ist der Kampf um die Top 5 tatsächlich so offen, wie man es sich im Vorfeld kaum hätte vorstellen können. Wenige Tage vor dem Wettkampf in Las Vegas musste der Vorjahresfünfte Courage Opara aus gesundheitlichen Gründen seine Teilnahme absagen.
Damit verbleibt nur noch ein Athlet, der im Vorjahr eine Platzierung beim Olympia schaffte. Vitor Alves Porto De Oliveira knackte 2024 bereits die Top 5 in der 212-Division, musste sich im vergangenen Jahr jedoch mit Platz 8 zufriedengeben. In diesem Jahr gelangen ihm zwei Siege im Vorfeld des Olympias, bei denen er unter anderem den zuletzt viel beachteten Franzosen Marco Ruz schlug.

Formell betrachtet ist der Brasilianer damit ein Top-Kandidat für die vakante Top-5-Platzierung. Fraglos gibt es aber mehr als einen Athleten, der ihm diese streitig machen will.
Asiatische Newcomer in der 212
Asiatische Athleten stechen in der Regel nicht mit besonderer Körpergröße hervor, dafür jedoch oftmals mit außergewöhnlich guten Beinen. Auch wenn mit Wei Li einer der vielversprechendsten Athleten aufgrund von Visa-Problemen nicht am Olympia teilnehmen kann, gibt es dennoch weitere Namen, die beim Olympia-Debüt für Aufmerksamkeit sorgen könnten.
An vorderster Stelle ist der Japaner Naotaka Yokokawa zu nennen. In Japan ist Naotaka Yokokawa längst ein Superstar im Bodybuilding, der in diesem Herbst auch die internationale Bühne erobern will. Nachdem er 2025 seine Pro Card gewonnen hatte, holte er sich 2026 erstmals die Qualifikation für den Mr. Olympia. Aufnahmen von ihm beflügelten bereits die Fantasien der Fans. Wie er im Olympia-Feld wirkt, bleibt abzuwarten.

Gleiches gilt für den Chinesen Xiaoshuang Lan, der in der Vergangenheit ein spektakulär kompaktes Paket auf die Bühne brachte. Auch wenn er sich zuletzt vor wenigen Tagen beim Kampf um die Olympia-Quali für 2027 mit dem dritten Platz vor heimischem Publikum zufriedengeben musste, dürfte das Olympia-Debüt interessant werden. – Wenige Tage vor dem Olympia bestanden offenbar aber immer noch Visa-Probleme, wie chinesische Medien berichteten.
Die 212-Rückkehrer: Angel Calderon und Breon Ansley
Zwei Top-Athleten, die ebenfalls um die vorderen Plätze kämpfen wollen, sind der Spanier Angel Calderon und der US-Amerikaner Breon Ansley. Beide Athleten kehren in gewisser Weise in die 212 zurück, auch wenn die Umstände kaum unterschiedlicher sein könnten.
Angel Calderon verpasste den Olympia im vergangenen Jahr insbesondere verletzungsbedingt. Auch wenn der Spanier von 2022 bis 2024 stets in den Top 3 beim Wettkampf in Las Vegas gelandet war, ist nicht zu erwarten, dass er den Erfolg in diesem Jahr wiederholen kann. Zuletzt musste er sich sogar in Offenbach dem Franzosen Marco Ruz geschlagen geben, der selbst nicht für den Olympia 2026 qualifiziert ist.
Anders steht es hingegen um Breon Ansley. Der zweifache Olympia-Champ trat bislang zehnmal in der Classic Physique an. Nachdem er im vergangenen Jahr erstmals die Top 5 in dieser Kategorie verpasst hatte, vollzog er nun endgültig den lang angekündigten Wechsel in die 212. Dort startete er bereits seine Profi-Laufbahn, sodass es nun zum Ende der Karriere eine Rückkehr zu den Wurzeln gibt. Bei seinem Sieg in Südkorea fehlte die ganz hochkarätige Konkurrenz, sodass es spannend wird, zu sehen, wie der ehemalige Classic-Physique-Champ sich auf Spitzeniveau in der 212 beim Olympia 2026 schlagen wird.
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