Der Weltrekord im Kreuzheben liegt längst über 500 Kilogramm, und dennoch traten bei den ersten Enhanced Games im Jahr 2026 gleich zwei Athleten an, um diesen zu überbieten. Neben dem bisherigen Rekordhalter Hafthor Björnsson wollte auch der amtierende World’s Strongest Man sein Glück versuchen. Am Ende fiel bei den Enhanced Games 2026 über alle Disziplinen hinweg allerdings nur ein Weltrekord.
Enhanced Games feierten Premiere im Jahr 2026
Leistungssteigernde Substanzen sind im Sport kein Randthema, sondern längst Teil der Realität. Regelmäßige Meldungen über positive Dopingkontrollen zeigen das immer wieder. Gleichzeitig vertreten Kritiker seit Jahren die Ansicht, dass Spitzensport auf dem heutigen Niveau ohne chemische Unterstützung ohnehin kaum noch denkbar sei. Wer das grundsätzlich ausschließt, macht es sich zumindest sehr einfach.
Einen ähnlichen Blick auf den Leistungssport dürfte auch Aron D’Souza haben. Der Australier ist der Kopf hinter den Enhanced Games und wirbt bereits seit Jahren für die Idee eines Wettkampfformats, in dem der Einsatz leistungssteigernder Mittel nicht nur nicht verschwiegen, sondern offen einkalkuliert wird. Nachdem die ursprünglich für 2024 angedachte Premiere nicht zustande gekommen war, wurde es im Mai 2026 in Las Vegas nun erstmals ernst.
Von ursprünglich knapp 50 geplanten Athletinnen und Athleten blieben am Ende 42 Wettkämpfer, die tatsächlich an den Start gingen. Obwohl der Einsatz von Testosteron und Wachstumshormonen explizit erlaubt war und unter ärztlicher Begleitung erfolgte, sollen vier Teilnehmer dennoch darauf verzichtet haben.
Deutscher gewinnt bei den Enhanced Games 250.000 US-Dollar
Die Enhanced Games lockten somit mit einmaligen Wettkampfbedingungen. Athleten, die sich möglicherweise schon immer einmal die „Was wäre wenn“-Frage gestellt hatten, konnten diese für sich selbst beantworten. Zudem boten die Veranstalter einen nicht unerheblichen finanziellen Ansporn.
Dem Gewinner eines jeden Wettkampfes winkten 250.000 US-Dollar. Eine deutlich höhere Summe als die 30.000 Euro, die ein deutscher Olympiasieger derzeit von der Deutschen Sporthilfe als Prämie zu erwarten hat. Auch wenn dies nicht automatisch dazu führte, dass sich unzählige europäische Athleten für den Wettkampf in Las Vegas angemeldet hätten, gewann am Ende doch zumindest ein Deutscher die ausgelobte Summe.
Marius Kusch, Kurzbahn-Europameister von 2019, unterbot über 100 Meter Schmetterling seine Bestzeit um 0,07 Sekunden und konnte damit zwei Jahre nach seinem letzten offiziellen Wettkampf den Sieg davontragen. Den Bonus von 1 Million US-Dollar für das Aufstellen eines neuen Weltrekordes holte allerdings nur ein Athlet. Der Grieche Kristian Gkolomeev schwamm mit 20,81 Sekunden über 50 Meter Freistil schneller als der bisherige Weltrekord. Dazu muss gesagt werden, dass bei den Enhanced Games Anzüge erlaubt waren, die 2010 nach dem Fallen diverser Weltrekorde im internationalen Schwimmsport verboten worden waren.
Hafthor Björnsson und Mitchell Hooper scheitern am Weltrekord im Kreuzheben
Aus Sicht von Kraftsport- und Bodybuildingfans war jedoch ein ganz anderes Event von Interesse. Hafthor Björnsson brach im Jahr 2025 zweimal seinen eigenen Weltrekord im Kreuzheben und legte die Messlatte bei derzeit 510 Kilogramm. Der damalige Versuch war erkennbar nicht am Limit, sodass ein Anheben auf 515 Kilogramm im Rahmen der Enhanced Games als nicht unwahrscheinlich galt.
Unerwartete Konkurrenz sollte er dabei von Mitchell Hooper bekommen. Der Kanadier dominiert seit Jahren die Arnold Classic Strongman und konnte in diesem Jahr zum zweiten Mal den World’s Strongest Man für sich entscheiden. Obwohl seine Bestleistung bislang mit 475 Kilogramm einen deutlichen Abstand zum bestehenden Weltrekord aufwies, wollte auch Mitchell Hooper sich im Rahmen der Enhanced Games 2026 am Kreuzheben versuchen.
Am Ende scheiterten beide Männer in ihrem dritten Versuch. Während Mitchell Hooper 400 und 440 Kilogramm gültig zog, bevor die 515 Kilogramm im letzten Versuch zu schwer waren, arbeitete sich Hafthor Björnsson mit 425 und 475 Kilogramm an den Rekordversuch heran. Anders als Mitchell Hooper, der die Hantel nicht vom Boden bewegte, musste Hafthor Björnsson sich etwa auf halbem Weg an diesem Tag geschlagen geben.
Titelbild: Instagram


















