Supplemente gehören zum Bodybuilding wie Reis mit Hähnchen und Bankdrücken. Kaum ein Trainierender hat kein Proteinpulver oder Kreatin in der eigenen Küche stehen. Dabei können Konsumenten auf eine Vielzahl von Produkten zugreifen, die teilweise jedoch nicht unbedingt den erhofften Nutzen bringen. Der folgende Artikel bietet eine Übersicht über die wichtigsten Nahrungsergänzungsmittel, die im Bodybuilding genutzt werden. Dabei gilt jedoch in jedem Fall, dass Supplemente eine Ergänzung darstellen und eine zielführende Ernährung oder das richtige Training nicht ersetzen können.
- Wer braucht überhaupt Nahrungsergänzungsmittel?
- Was muss man bei Werbeaussagen zu Supplementen beachten?
- Supplemente, die für fast jeden sinnvoll sind
- Supplemente, die für Trainierende sinnvoll sein können
- Nicht jedes Supplement ist sein Geld wert
- Der Grundbedarf an Supplementen ist für weniger als 30 Euro im Monat deckbar
- Brauche ich in der Diät andere Supplemente als im Aufbau?
- Fazit
Wer braucht überhaupt Nahrungsergänzungsmittel?
Zunächst einmal sollte man sich bewusst sein, dass Supplemente auf Deutsch aus guten Gründen Nahrungsergänzungsmittel heißen. Sie sollen die Ernährung nicht ersetzen oder das Unmögliche möglich machen, sondern einen potenziellen Mehrbedarf ausgleichen. Ein solcher Mehrbedarf an bestimmten Nährstoffen kann aus unterschiedlichen Gründen entstehen, weshalb kein Supplement pauschal für jeden Sportler zur Pflicht erklärt werden kann.
Selbst Proteinpulver, die für die meisten Fitnesssportler und Bodybuilder ein fester Bestandteil des Lifestyles sind, liefern letztendlich nur einen Makronährstoff, der auch über Nahrungsmittel zugeführt werden könnte. Der Einsatz kann dennoch sinnvoll sein, wie weiter unten noch erläutert wird. Die Frage, ob man von einem Nährstoff mehr benötigt, als man über die Ernährung zuführt beziehungsweise zuführen kann, ist also von zwei Seiten zu betrachten:
- Wie lautet die Zufuhrempfehlung?
- Erreiche ich die Zufuhrempfehlung oder gehöre ich zu einer Gruppe, die eine zusätzliche Zufuhr benötigt?
Schauen wir uns die beiden Punkte etwas genauer an.
1. Die Zufuhrempfehlung von Nährstoffen
Nicht für alle Supplemente gibt es sinnvolle Zufuhrempfehlungen. Ein Trainingsbooster stellt beispielsweise ein Nahrungsergänzungsmittel dar, das man in erster Linie aus Spaß und zur Motivation nutzt. Ein Bedarf im eigentlichen Sinne existiert dafür natürlich nicht.
Anders sieht es dagegen beispielsweise mit der Proteinzufuhr aus. Sportler, die Muskelaufbau betreiben wollen, benötigen Eiweiß, wenn auch nicht so viel, wie teilweise angenommen wird. Verschiedenste Studien kamen in den letzten Jahren zu einem Bereich von 1,3 bis 1,7 Gramm Protein je Kilogramm Körpergewicht. Für eine 75 Kilogramm schwere Person läge die Empfehlung somit bei 97,5 bis 127,5 Gramm Eiweiß pro Tag. Wer nicht jeden Tag Fleisch isst, wird selbst solche vermeintlich geringen Mengen oftmals nicht von allein erreichen.
Für die meisten Mikronährstoffe und Vitamine sieht es dagegen anders aus. Dort werden Empfehlungen für die einzelnen Nährstoffe aufgrund von Beobachtungen aus der Vergangenheit oder Schätzungen abgegeben, wobei sich die Werte im Laufe der Zeit verändern können und auch länderübergreifend unterschiedlich sind. So erhöhte die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) beispielsweise ihre Empfehlung für die Vitamin-D-Zufuhr im Jahr 2012 auf 20 Mikrogramm täglich. Das war eine Vervierfachung!

Generell zielen die Empfehlungen bezüglich der Mikronährstoffzufuhr auf Werte ab, bei denen eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit besteht, dass der Nutzer keine Mangelerscheinungen zeigt. Eine optimale und leistungsmaximierende Zufuhr wird damit aber nicht angestrebt. Allerdings werden selbst die empfohlenen Werte von vielen Personen nicht erreicht, was zum zweiten Punkt führt:
2. Erreiche ich die Zufuhrempfehlung?
Im Jahr 2008 wurde in Deutschland die „Nationale Verzehrsstudie II“ (NVS II) durchgeführt, auf deren Ergebnisse wir heutzutage noch immer verweisen müssen – eine Anschlusserhebung soll 2017 zum Abschluss kommen. Damals wurden die teilnehmenden Deutschen gefragt, was sie in den vergangenen vier Wochen gegessen hätten. Kannst du diese Frage für dich selbst exakt beantworten? Vermutlich nicht. Entsprechend vorsichtig sollte mit den Aussagen der Studie umgegangen werden.
Neben den Ernährungsdefiziten, die in der Verzehrsstudie zutage getreten sind, gibt es aber tatsächlich auch Situationen, in denen Menschen einen Mehrbedarf haben können: Raucher oder Schwangere gehören beispielsweise zu Risikogruppen. Aber auch Menschen, die sehr intensiv Sport treiben und im Rahmen einer Diät möglicherweise noch eine eingeschränkte Lebensmittelauswahl umsetzen, können einen erhöhten Bedarf entwickeln. Dies gilt insbesondere dann, wenn man im Alltag gleichzeitig dauerhaft Stress ausgesetzt ist.
Was muss man bei Werbeaussagen zu Supplementen beachten?
Ältere Trainierende werden sich noch an eine Zeit erinnern, in der Supplemente deutlich kreativer beworben werden durften und die Werbung wesentlich mehr versprach. Inzwischen sind die rechtlichen Regelungen dazu, wie Nahrungsergänzungsmittel angepriesen werden dürfen, deutlich enger gefasst.
Die „Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel“, die sogenannte Health-Claims-Verordnung, trat im Juli 2007 in Kraft und sollte dafür Sorge tragen, Verbraucher vor irreführenden gesundheitsbezogenen Aussagen im Zusammenhang mit Lebensmitteln zu schützen.
Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung konnten Lebensmittel und darauf bezogene Aussagen bei der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit eingereicht werden, die diese daraufhin überprüfte. Im ersten Schritt wurden über 44.000 Anträge eingereicht, sodass nach Abschluss der Prüfungen seit dem 14. Dezember 2012 nur noch durch die EFSA genehmigte Aussagen zu Lebensmitteln getroffen werden dürfen.
Im Rahmen der Antragseinreichung mussten die Initiatoren nicht nur den Effekt beschreiben, sondern auch entsprechende Studien als Nachweise liefern. Die EFSA konnte, musste aber keine zusätzlichen Studien heranziehen. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden anschließend Entscheidungen getroffen, wobei insbesondere randomisierte, placebokontrollierte Humanstudien ein hohes Gewicht erhielten. Tier- oder Zellstudien wurden als weitere Untermauerung ergänzend akzeptiert.
Generelle Kategorien der Health-Claims-Aussagen
Die Schwierigkeiten bei solchen Studien sind ungemein größer als bei medizinischen Untersuchungen. So sind Krankheiten klar definiert, während solche Abgrenzungen im Gesundheitsbereich weniger eindeutig existieren. Weiterhin nehmen auch die Kontrollgruppen im Rahmen der täglichen Ernährung oftmals gewisse Mengen bestimmter Nährstoffe zu sich. Zuletzt ist die Wirkung von Nährstoffen häufig geringer als die von Arzneistoffen, sodass Ursache-Wirkungs-Nachweise schwieriger zu erbringen sind.

Kranke Menschen dürfen darüber hinaus nicht die Zielgruppe von Lebensmittelinhaltsstoffen sein. Entsprechend dürfen sich Aussagen nur auf die gesunde Bevölkerung oder bestimmte Teile davon, wie beispielsweise gesunde Frauen oder gesunde Senioren, beziehen. Unterm Strich verbleiben damit drei Kategorien zugelassener Health Claims:
- Aussagen zu Funktionen des Wachstums, zur Wirkung auf die Psyche sowie zur Gewichtsregulation
- Aussagen zur Reduzierung von Erkrankungsrisiken
- Aussagen im Zusammenhang mit dem Entwicklungsprozess von Kindern
Insgesamt gibt es derzeit etwas mehr als 250 erlaubte Aussagen. Diese lauten beispielsweise, dass Kalzium für den Erhalt normaler Knochen benötigt wird oder Selen zur Erhaltung normaler Haut beiträgt. Entsprechende Formulierungen findet man heutzutage auf verschiedenen Produkten.
Wenn eine mögliche Wirkung kein zugelassener Health Claim ist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass diese nicht existiert. Es bedeutet vielmehr, dass sie nicht in einer solchen Weise durch Humanstudien nachgewiesen wurde, dass die EFSA sie als Werbeaussage erlaubt hat.
Supplemente, die für fast jeden sinnvoll sind
Nicht jedes Supplement hält, was es verspricht, und nicht immer ist die Datenlage gut genug, um tatsächlich Rückschlüsse für die Praxis zu ziehen. Für die folgenden Vertreter gilt jedoch das genaue Gegenteil.
Kreatinmonohydrat ist so gut erforscht wie kein zweites Supplement
Es gibt vermutlich kein Nahrungsergänzungsmittel, das so intensiv erforscht wurde wie Kreatinmonohydrat. Kreatin ist an der Energiebereitstellung im Körper beteiligt und entfaltet seine Wirksamkeit insbesondere bei hochintensiven Anstrengungen wie Sprints oder Maximalkrafttests. Die Wirkung lässt sich folgendermaßen erklären:
Wenn unsere Muskeln arbeiten, verbrauchen sie ATP. Die Speicher hierfür sind äußerst begrenzt, sodass der Körper quasi ständig neues ATP synthetisiert. Die Grundlage hierfür sind insbesondere Kohlenhydrate und Fette. Wenn jedoch besonders intensive Leistungen abgerufen werden, nutzt der Körper für einen kurzen Zeitraum Kreatinphosphat. Um dieses vorhalten zu können, wird Kreatin benötigt, das der Körper zum Teil selbst aus Aminosäuren herstellen kann, zum Teil aber auch über die Nahrung aufnehmen muss.

Insbesondere in rotem Fleisch und einigen Fischsorten ist Kreatin enthalten, sodass Menschen, die solche Lebensmittel nicht täglich konsumieren, häufig nicht optimal versorgt sind. Die Forschung ist dabei nicht nur auf Sportler beschränkt, sondern hat längst auch ältere Menschen und andere Personengruppen als mögliche Zielgruppen einer Kreatinsupplementierung identifiziert.
Bereits drei bis fünf Gramm täglich genügen für die meisten Menschen, wobei stark muskulöse Bodybuilder häufig auch größere Mengen einnehmen. Dies sollte jedoch nicht als pauschale Empfehlung missverstanden werden.
Proteinpulver hilft, den Proteinbedarf zu decken
Protein ist neben Kohlenhydraten und Fetten einer der drei wichtigen Makronährstoffe, die wir alle tagtäglich über die Ernährung aufnehmen. Neben dem Muskelaufbau benötigt der Körper Eiweiß auch für eine Reihe anderer Vorgänge, sodass eine ausreichende Zufuhr für jedermann von Bedeutung ist. Generell ist dies über die Ernährung leistbar. Man kann seinen Proteinbedarf also auch ohne Proteinpulver decken.
Für die meisten Menschen stellt die Ergänzung der eigenen Ernährung mit einem Proteinpulver jedoch einen praktischen Vorteil dar. Shakes sind nicht nur leicht vorzubereiten und zu transportieren, sondern bieten auch eine geschmackliche Abwechslung, die allein mit Lebensmitteln in dieser Form oftmals nicht möglich ist.
Preislich landet man bei hochwertigem Proteinpulver in den Regionen, die man auch für Fleisch ausgibt, wenn man die Kosten auf 100 Gramm Protein bezieht. Dabei enthält Eiweißpulver praktisch kein Fett und kaum Kohlenhydrate. Berücksichtigt man zusätzlich die Verwertbarkeit der Proteinquelle gemäß dem PDCAAS-Wert, schneidet Whey-Protein besser ab als die meisten Fleischsorten oder pflanzlichen Proteinquellen.
Wer daher täglich mehrere Proteinquellen kombiniert, um optimal mit Aminosäuren versorgt zu sein, findet in Eiweißpulver eine gute Ergänzung.
Omega-3-Fettsäuren sind essenziell für den Körper
Nährstoffe werden als „essenziell“ bezeichnet, wenn sie dem Körper über die Nahrung zugeführt werden müssen, da er sie nicht selbst produzieren kann. Neben einzelnen Aminosäuren und Vitaminen sind auch Omega-6- und Omega-3-Fettsäuren für den Menschen essenziell, wobei Erstgenannte in der Regel in mehr als ausreichenden Mengen über die Nahrung zugeführt werden.

Diese Fettsäuren werden im Körper zur Herstellung hormonähnlicher Botenstoffe genutzt, die als Eicosanoide bezeichnet werden. Diese dienen den Zellen unter anderem dazu, Entzündungsprozesse zu regulieren, wobei Omega-6-Fettsäuren Entzündungsprozesse fördern und Omega-3-Fettsäuren diese eindämmen können. Beide Prozesse sind in normalem Maße wichtig für den Körper. Werden jedoch zu wenige Omega-3-Fettsäuren aufgenommen, kann das Gleichgewicht beeinträchtigt werden.
Generell können wir über fetten Fisch ausreichend Omega-3-Fettsäuren aufnehmen. Solche Lebensmittel sind jedoch häufig kein regelmäßiger Bestandteil eines westlichen Ernährungsplans. Pflanzliche Quellen wie Walnüsse oder Leinöl haben hingegen den Nachteil, dass insbesondere Walnüsse ebenfalls reich an Omega-6-Fettsäuren sind und pflanzliche Omega-3-Fettsäuren schlechter vom Körper verarbeitet werden. Einige Fischölkapseln können daher eine sinnvolle Investition in die eigene Ernährung sein, wenn das zugeführte Verhältnis der Fettsäuren im Rahmen der Ernährung nicht optimal ist.
Vitamin-D-Mangel ist in Deutschland weit verbreitet
Vitamin D wurde weiter oben bereits als Beispiel dafür genannt, wie sich Zufuhrempfehlungen im Laufe der Zeit verändern können. Eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung verschlechtert unter anderem die Kalziumaufnahme, sodass mittel- und langfristig Probleme wie Muskelschwäche oder ein erhöhtes Knochenbruchrisiko drohen. Aus Bodybuildingperspektive ist zudem interessant, dass bei einem Vitamin-D-Mangel häufig niedrige Testosteronwerte beobachtet werden.
Da die Aufnahme und Verwertung von Vitamin D sehr individuell sind, erweisen sich pauschale Dosierungsempfehlungen in der Praxis selten als nützlich. Vielmehr empfiehlt es sich, vor der Supplementierung den eigenen Wert untersuchen zu lassen.

Dies kann sowohl beim Hausarzt als auch eigenverantwortlich in einem Labor in der Nähe erfolgen. Anschließend sollte man je nach Ausgangswert eine individuelle Dosierung festlegen und drei Monate später den eigenen Wert erneut überprüfen lassen.
Supplemente, die für Trainierende sinnvoll sein können
Der Supplementmarkt bietet eine Vielzahl von Produkten. Je nach individuellem Bedarf und Ernährungsgewohnheiten benötigt die eine Person andere Nahrungsergänzungsmittel als eine andere. Unabhängig davon gibt es neben den bereits genannten vier Supplementen weitere Vertreter, die für Bodybuilder sinnvoll sein können – ohne dass diese, das sei nochmals betont, eine unzureichende Regeneration oder schlechte Ernährungsgewohnheiten ausgleichen könnten.
Beta-Alanin als Grundlage für Carnosin
Als Sportler erstmals auf Beta-Alanin als Supplement aufmerksam wurden, keimten bei so manchem Fantasien auf, man hätte ein Kreatin 2.0 entdeckt. Ganz so potent ist die Wirkung der nicht-proteinogenen Aminosäure nicht. Allerdings gibt es bereits Hinweise darauf, welchen Nutzen Beta-Alanin haben kann.
Gemeinsam mit der Aminosäure Histidin bildet der Körper aus Beta-Alanin letztlich Carnosin. Dieses wiederum kann die Leistungsfähigkeit eines Muskels verbessern, wobei im Gegensatz zu Kreatin eher längere Belastungsphasen besser bewältigt werden können.
Sprinter oder Powerlifter profitieren von Beta-Alanin also nicht unmittelbar. Wer allerdings Belastungen von mehr als 60 Sekunden Dauer absolviert oder ein hohes Trainingsvolumen bewältigt, könnte weniger schnell erschöpfen und dadurch insgesamt besser performen.
Koffein sollte nicht zu spät am Abend eingenommen werden
Koffein ist eine wirkungsvolle Stimulanz, die sich in Form von Kaffee oder Energy-Drinks beim Großteil der Bevölkerung großer Beliebtheit erfreut. Die chemische Verbindung besitzt eine Vielzahl potenzieller Wirkungen im menschlichen Körper, wobei wir uns an dieser Stelle lediglich mit der verminderten Müdigkeit vor der anstehenden Trainingseinheit beschäftigen wollen.
Die wachmachende Wirkung von Koffein beruht auf seinem hemmenden Einfluss auf Adenosin, das für Entspannung im menschlichen Körper sorgt. Wie stark Koffein die Wirkung von Adenosin hemmt, kann bei jedem Menschen sehr individuell ausfallen, was sicherlich jeder bereits im Alltag festgestellt hat. Die Einnahme sollte etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Training erfolgen. So lange benötigt das eingenommene Koffein, um den höchsten Spiegel im Körper zu erreichen.

Bei der Dosierung sollte die Halbwertszeit beachtet werden. Diese beträgt bei Koffein zwischen 2,5 und fünf Stunden. Wer also um 18 Uhr 200 Milligramm Koffein zu sich nimmt, muss damit rechnen, dass um 22 Uhr immer noch eine erhebliche Menge Koffein wirksam ist. Das ist in etwa so, als würde man vor dem Schlafengehen zwei Tassen Espresso trinken. Je später man also trainiert und je empfindlicher man auf Koffein reagiert, desto geringer sollte die Dosierung ausfallen, wenn man eine erholsame Nacht haben möchte.
Ashwagandha als vielseitige Unterstützung?
Ein Supplement, das für Bodybuilder auf unterschiedliche Weise hilfreich sein kann, ist Ashwagandha. Das auch als Schlafbeere oder indischer Ginseng bekannte Supplement wird mit einer Vielzahl von Wirkungen in Verbindung gebracht. Während Kraft- und Muskelzuwächse in erster Linie in narrativen Studien nachgewiesen wurden, gilt das Supplement insbesondere beim Stressmanagement als sinnvolle Unterstützung.
Gleichzeitig sollte nicht unerwähnt bleiben, dass das Bundesinstitut für Risikobewertung 2024 vor möglichen gesundheitlichen Risiken durch Ashwagandha warnte. Der Hinweis richtete sich insbesondere an Schwangere, Stillende, Kinder sowie Personen mit bestehenden oder möglichen Lebererkrankungen.
Nicht jedes Supplement ist sein Geld wert
Der Markt für Supplemente bietet fraglos noch eine Vielzahl weiterer Produkte, die je nach individueller Situation einen Blick wert sein können. Gleichzeitig gibt es jedoch auch Produkte, auf die Bodybuilder verzichten können.
BCAAs sind unnötig
Noch vor ein oder zwei Jahrzehnten waren BCAAs eines der beliebtesten Supplemente im Bodybuilding. Die drei Aminosäuren werden bei langen Ausdauerleistungen in geringen Mengen vom Körper zur Energiegewinnung herangezogen, sodass einige Trainierende hieraus ableiteten, dass die Supplementierung einen zusätzlichen Muskelschutz bieten würde. Tatsache ist jedoch, dass insbesondere bei der im Bodybuilding üblichen Proteinzufuhr keine Supplementierung von BCAAs notwendig ist.
Wer in langen Fastenphasen Aminosäuren zuführen möchte, kann zu EAAs oder Iso-Whey greifen. Wer jedoch nur einige Stunden im Rahmen des intermittierenden Fastens auf Nahrung verzichtet, sollte in erster Linie auf seine Gesamtproteinzufuhr achten. Der Konsum von Aminosäurekomplexen ist oftmals nicht notwendig.
Testobooster sind keine Wundermittel
Hätte man vor einigen Jahren von Testosteronboostern gesprochen, hätten die meisten vermutlich an Tribulus-Produkte gedacht, die den Markt mit nicht belastbaren Versprechen bestimmten. Heutzutage sind Produkte, die den Testosteronspiegel verbessern sollen, in der Regel vielfältiger zusammengesetzt. Dennoch sollte nicht dieselbe Wirkung wie bei einer Testosteronersatztherapie erwartet werden.

Wer unter niedrigen Werten leidet, sollte in erster Linie seinen Lifestyle und seine Körperkomposition reflektieren. Zu wenig Schlaf, Stress und ein zu hoher Körperfettanteil sind Ursachen, die man weniger mit Supplementen als vielmehr mit einer Veränderung des Lebensstils bekämpfen sollte. Dies gilt insbesondere für jüngere Sportler.
Wirksame Produkte setzen in erster Linie darauf, Mikronährstoffmängel auszugleichen, oder enthalten beispielsweise Bor oder Bockshornklee. Generell gilt jedoch, dass diese in keinem Fall steroidähnliche Testosteronspiegel erzeugen werden.
Im Zweifelsfall investiere dein Geld nicht in ein Produkt
Die Liste der Supplemente, die nicht unbedingt das bewirken, was man sich von ihnen erhofft, könnte beliebig erweitert werden. Sei es die gezielte Zufuhr einzelner Aminosäuren, seien es Mikronährstoffprodukte, die als Abkürzung in der Diät dienen sollen, oder andere Kombinationsprodukte, die insbesondere durch bunte Dosen beeindrucken.
Kein Nahrungsergänzungsmittel ist ein Ersatz für eine zielführende Ernährung, ausreichenden Schlaf, intensives Training und ein gutes Stressmanagement. Supplemente ersetzen keine Medikamente und haben auch keine steroidähnlichen Wirkungen. Wann immer man sich also insgeheim eine solche Unterstützung durch ein Produkt erhofft, sollte man sich das Geld lieber sparen.
Der Grundbedarf an Supplementen ist für weniger als 30 Euro im Monat deckbar
Wer nur einen kleinen Geldbeutel hat, sollte nicht verzweifeln, denn das monatliche Budget für Supplemente muss nicht sonderlich groß sein. Die monatlichen Kosten für Kreatin, Vitamin D und Fischölkapseln belaufen sich auf weniger als 30 Euro und decken bereits die absolute Basis ab.
Proteinpulver sollte man hingegen eher wie ein Lebensmittel betrachten. Während Magerquark tatsächlich ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als Proteinpulver bietet, spart man gegenüber Fleisch und vielen pflanzlichen Proteinquellen in der Regel etwas Geld, indem man hochkonzentriertes und hochwertiges Eiweiß in Form von Proteinpulver kauft. Wie bereits weiter oben erwähnt, ist es sinnvoll, seine Proteinzufuhr auf mehreren Säulen aufzubauen.
Brauche ich in der Diät andere Supplemente als im Aufbau?
Nahrungsergänzungsmittel sollen einen Mehrbedarf oder eine unzureichende Zufuhr über die Ernährung ausgleichen. Je nachdem, wie man seine Ernährung gestaltet, kann es sein, dass man beispielsweise in der Diät zu wenige Nährstoffe zu sich nimmt, was mittel- oder langfristig zu einem Mangel führen kann.

Der erste Schritt wäre auch dann, zunächst die eigene Ernährung zu reflektieren und möglicherweise anzupassen. Sollte dies nicht gewollt oder möglich sein, können Supplemente eine sinnvolle Hilfe darstellen.
Wer nicht unnötig Geld verschwenden möchte, kann vor der Nutzung entsprechender Produkte seine Blutwerte überprüfen lassen. Wie bereits im Zusammenhang mit Vitamin D beschrieben, kann man dies heutzutage auch direkt in Laboren umsetzen, in denen man selbst auswählt, welche Elektrolyte, Mikronährstoffe, Hormone oder sonstigen Werte überprüft werden sollen. Sollte hierbei ein Mangel festgestellt werden, kann man gezielt den individuellen Bedarf decken.
Fazit
Supplemente sind keine Abkürzung und kein Wundermittel. Sie können einen Mehrbedarf decken, der im Einzelfall je nach Ernährung, Training, Lifestyle oder genetischen Voraussetzungen unterschiedlich ausfallen kann. Kreatin, Omega-3-Fettsäuren und Vitamin D sind Produkte, die für viele Sportler einen Mehrwert bieten können und bei denen es je nach Ernährung und Lebensstil schwierig sein kann, eine optimale Versorgung zu erreichen. Am Ende des Tages wird aber keines dieser Produkte dazu führen, dass man plötzlich zehn Zentimeter mehr Oberarmumfang oder zehn Zentimeter weniger Bauchumfang hat.
Der Autor ist seit 1998 im Sport aktiv und blickt auf Wettkampferfahrungen im Kampfsport, Powerlifting, Bodybuilding und Marathonlauf zurück. Als Autor mehrerer Bücher und zahlreicher Trainings- und Ernährungskonzepte begleitete er bereits über 1.000 Männer und Frauen auf dem Weg zu ihren sportlichen Zielen. Mehr auf seiner Website.

















