Auch wenn Frauen, die Bodybuilding betreiben, in der Öffentlichkeit deutlich weniger wahrgenommen werden, hat sich der Sport in den vergangenen Jahren insbesondere auch in Deutschland etabliert. Vor allem in der Figure-Klasse gibt es inzwischen eine Vielzahl erfolgreicher Profi-Athletinnen, die es bis auf die Olympia-Bühne geschafft haben. Grund genug, neben den besten deutschen Bodybuildern aller Zeiten auch einen Blick auf die Frauen in diesem Sport zu werfen. Dieser Artikel bietet einen Überblick.
| Athlet | Klasse | Größter Erfolg |
|---|---|---|
| Vera Bendel | Frauen Bodybuilding | Erste deutsche Frau beim Olympia |
| Anja Langer | Frauen Bodybuilding | Platz 2 beim Ms. Olympia 1988 |
| Skadi Frei-Seifert | Frauen Bodybuilding | Platz 15 beim Ms. Olympia 2011 |
| Regiane da Silva | Fitness | Platz 2 beim Olympia 2014 |
| Valeria Ammirato | Bikini | Erste deutsche Bikini-Athletin beim Olympia |
| Denise Zwinger-Tynek | Figure | Platz 4 beim Olympia-Debüt 2025 |
Die Klassen im heutigen Frauen-Bodybuilding
Wenn man über Frauen-Bodybuilding spricht, blickt man – wie auch bei den Männern – auf eine Sportart, die in unterschiedlichste Kategorien unterteilt ist. Während der erste Mr. Olympia bereits 1965 ausgetragen wurde, dauerte es weitere 15 Jahre, bis die IFBB auch im Frauenbereich den Olympia-Titel vergab. Während der Wettkampf zu Beginn noch eine einzelne Veranstaltung war, wurde er ab dem Jahr 2000 dem Olympia-Wochenende hinzugefügt.
Dennoch hatte die IFBB zur Ms.-Olympia-Kategorie, die das Open Bodybuilding der Frauen darstellt, stets ein ambivalentes Verhältnis, das eine eigene Betrachtung wert wäre. Fakt ist, dass von 2015 bis 2019 gänzlich auf die Vergabe des Ms.-Olympia-Titels verzichtet wurde. Nachdem die Olympia-Marke wiederum von Jake Wood gekauft worden war, einem Förderer des Frauen-Bodybuildings, kehrte die Kategorie auf die große Bühne zurück.
Die weiteren Kategorien im Frauen-Bodybuilding
Der Verzicht auf die Vergabe des Ms.-Olympia-Titels bedeutete keinesfalls, dass es keine Frauen beim Mr.-Olympia-Wochenende gegeben hätte. Ähnlich wie in den Männerkategorien wurden über die Jahre diverse weitere Frauenkategorien hinzugefügt, die zum einen den Einstieg in den Sport erleichtern sollen und zum anderen sicherlich auch eine Reaktion auf das über die Jahre stetig gewachsene Leistungsniveau in der offenen Frauenklasse waren.
Seit 1995 gibt es die Fitness-Klasse, in der die Teilnehmerinnen beeindruckende Küren präsentieren, die einen Großteil der Wertung ausmachen. So gelang es beispielsweise Oksana Grishina 2023, sechs Jahre nach ihrem letzten Olympia-Sieg, erneut den Wettkampf zu gewinnen, obwohl sie in der Körperbewertungsrunde nicht ganz vorne mitkämpfen konnte.
Acht Jahre nach der Fitness-Klasse folgte die Figure-Kategorie. Die Frauen haben auf den ersten Blick eine gewisse optische Ähnlichkeit mit der Fitness-Klasse, wobei das Leistungsniveau letztlich doch ein anderes ist, wie Missy Farell Truscott zuletzt selbst erfahren musste. Die US-Amerikanerin gewann mehrfach den Olympia-Titel in der Fitness-Kategorie, landete bei ihrem Figure-Debüt 2025 jedoch lediglich auf dem zehnten Rang beim Olympia.
Die 2010ern in der IFBB
Im Jahr 2010 folgte die Bikini-Klasse, deren Leistungsniveau in den vergangenen Jahren ebenfalls stetig stieg, sodass im Jahr 2026 erstmals die neu gegründete Fit-Model-Klasse beim Olympia vertreten sein wird. Die Frauen in dieser letztgenannten Kategorie sollen einen ähnlichen Look haben wie die Bikini-Athletinnen in den ersten Jahren nach Einführung der Klasse.
Zwischen diesen beiden Klassen führte die IFBB noch zwei weitere Kategorien ein. Dana Linn Bailey, die 2013 die erstmals angebotene Women’s Physique gewinnen konnte, hätte mit ihrer damaligen Form heutzutage keine Chancen mehr in dieser Kategorie. Etwas anders sieht es hingegen in der Wellness-Klasse aus, die 2021 erstmals angeboten wurde.
Diese bemerkenswerte Kategorie, bei der die Frauen stärkere Bein- und Gluteusmuskulatur als in der Bikini-Klasse haben, wird insbesondere von brasilianischen Athletinnen dominiert. So landete beispielsweise Isabelle Nunes seit der Einführung stets in den Top 3, während die dreifache Titelträgerin Francielle Mattos diese 2025 in erster Linie aufgrund einer bewussten Wettkampfpause verpasste.
Vera Bendel gewann die erste deutsche Meisterschaft im Frauen-Bodybuilding
Dass bei der Austragung der ersten Ms. Olympia keine deutsche Teilnehmerin an den Start ging, mag auch daran gelegen haben, dass das deutsche Frauen-Bodybuilding zur damaligen Zeit noch in den Kinderschuhen steckte. Die erste deutsche Meisterschaft wurde 1981 in Hannover ausgetragen, und die Siegerin hieß Vera Bendel.
Im selben Jahr nahm Vera Bendel bei der zweiten Austragung auch an der Ms. Olympia in Philadelphia teil. Während die Finnin Kike Elomaa den Titel gewinnen konnte, die ähnlich wie Arnold Schwarzenegger später eine politische Karriere starten sollte, wurde es für die deutsche Starterin der 16. Rang bei 20 Teilnehmerinnen.
Vier Jahre später, im Jahr 1985, nahm Vera Bendel nochmals an der Ms. Olympia teil und belegte den 12. Platz von 23 Teilnehmerinnen. Im Gedächtnis der meisten Bodybuildingfans wird ihr Name jedoch von einer anderen großen Athletin überschattet.
Anja Langer – die deutsche Walküre
Denkt man an die Anfänge des deutschen Frauen-Bodybuildings, ist der Name Anja Langer auch 40 Jahre nach ihrer ersten Ms.-Olympia-Teilnahme den Fans im Gedächtnis geblieben. Im Jahr 1987 nahm die damals Anfang 20-Jährige erstmals am wichtigsten Wettkampf im Bodybuilding teil und belegte bei ihrem Debüt den vierten Rang. Ein Jahr später musste sie sich lediglich Cory Everson geschlagen geben und belegte somit bis zum Vize-Titel von Mike Sommerfeld in der Classic Physique über Jahrzehnte hinweg die beste Platzierung, die deutsche Vertreter beim Olympia-Wettkampf bis dahin erreichen konnten.
Auch wenn Vera Bendel eine der ganz großen Pionierinnen des deutschen Frauen-Bodybuildings war, legte Anja Langer den Grundstein für diesen Sport hierzulande. Auch wenn eine ungeplante Schwangerschaft die sportliche Karriere der Ausnahmeathletin recht früh beendete und Anja Langer im Anschluss nicht mehr auf die Wettkampfbühne zurückkehrte, blieb sie dem Sport bis heute verbunden.
Skadi Frei-Seifert wollte die Entwicklung im Frauen-Bodybuilding nicht mitmachen
Das Leistungsniveau im Frauen-Bodybuilding entwickelte sich über die Jahre stetig weiter. Wie bereits dargestellt, reagierte die IFBB unter anderem mit der Einführung weiterer Frauenkategorien. Im Jahr 2011 gab es jedoch noch keine Women’s Physique, und die Deutsche Skadi Frei-Seifert nahm als eine von 17 Teilnehmerinnen im Bodybuilding an der Ms. Olympia teil.
Für eine Top-Platzierung fehlten ihr jedoch bereits damals gemäß Kampfrichterfeedback knapp zehn Kilogramm Muskelmasse, die sie nicht bereit war aufzubauen. Stattdessen verlor sie knapp zehn Kilogramm und wechselte zwei Jahre später in die neu geschaffene Women’s Physique.
Auch wenn sie bei ihrem Debüt auf dem Titans Grand Prix auf einem guten fünften Platz gelandet war, gelang ihr die erneute Olympia-Qualifikation in der neu gewählten Kategorie nicht. Skadi Frei-Seifert verabschiedete sich schließlich von der Wettkampfbühne und zog sich aus der Bodybuildingszene zurück.
Für Regiane da Silva war der Titel zum Greifen nah
Wenn man sagt, dass Anja Langer die erfolgreichste deutsche Athletin aller Zeiten war, muss man diese Aussage mit einem Sternchen versehen. Die seit vielen Jahren in Deutschland lebende Regiane da Silva wurde in Brasilien geboren und wird in vielen Listen für ihr Geburtsland geführt, trat aber über die Jahre immer wieder für ihre Wahlheimat Deutschland auf der internationalen Bodybuildingbühne an.
Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2005 erlangte sie die Pro Card und durfte bereits 2006 erstmals an der Arnold Classic in Ohio teilnehmen. Auch wenn es für den ganz großen Titel beim Olympia oder bei der Arnold Classic nicht reichte, gelang es Regiane da Silva über viele Jahre hinweg immer wieder, in die Top 3 zu kommen. 2014 musste sie sich beim Olympia lediglich der bereits weiter oben angesprochenen Oksana Grishina geschlagen geben.
Valeria Ammirato als erste deutsche Bikini-Athletin beim Olympia
Die Bikini-Klasse ist qualitativ und quantitativ bekanntermaßen dicht besetzt. Dennoch dauerte es einige Jahre, bis es erstmals eine deutsche Athletin bis zum Olympia schaffen sollte. Es war Valeria Ammirato, die 2016 als erste deutsche Bikini-Athletin zum Olympia fahren durfte.
Damit erreichte die in Italien geborene Wettkampfathletin fünf Jahre nach dem Gewinn der deutschen Meisterschaft ihren größten sportlichen Erfolg. Zehn Jahre nach der Olympia-Teilnahme ist sie weiterhin sportlich aktiv. Eine Rückkehr auf die Wettkampfbühne wird es aber vermutlich nicht mehr geben.
Lisa Reith schaffte es gleich dreimal
Ein Jahr, nachdem Valeria Ammirato auf der Olympia-Bühne stand, begann Lisa Reith überhaupt erst mit dem Krafttraining. Die heutige Profi-Bodybuilderin wollte nach der Geburt ihres Kindes zufriedener mit ihrem Körper sein und fand auf diese Weise ab 2017 nach und nach zum Bodybuilding. Im Mai 2021 folgte ihr Wettkampfdebüt bei der IFBB, und noch im gleichen Jahr gewann sie ihre Pro Card in der Bikini-Klasse.

Doch dabei blieb es für die gebürtige Augsburgerin nicht. Bis heute konnte sich Lisa Reith dreimal für den Olympia qualifizieren, wobei sie dort nur zweimal auf der Bühne stand. Im Jahr 2025 sorgte ein Infekt dafür, dass sie zwar noch zum Wettkampf anreisen konnte, jedoch krankheitsbedingt nicht auf die Bühne gehen konnte. Die bislang mit Abstand erfolgreichste deutsche Bikini-Athletin wird sie vermutlich jedoch noch auf Jahre hinweg bleiben.
Birgit Andersch erfüllte sich mit über 40 den Olympia-Traum
Dass auch im Frauen-Bodybuilding eine langjährige Karriere möglich ist, bewies Birgit Andersch sich selbst und den Fans im vergangenen Jahr. Die inzwischen in Österreich lebende und für ihre Wahlheimat antretende Bodybuilderin wollte 2016 ursprünglich ihre Bühnenkarriere beenden. Nachdem sie sich bei der Deutschen Meisterschaft noch mit dem Vize-Titel begnügen musste, gelang ihr im selben Jahr bei der Weltmeisterschaft in der Dominikanischen Republik der Titelgewinn.
Anschließend ging die heute Mitte 40-Jährige zunächst ins Powerlifting, in dem sie ebenfalls Erfolge feiern konnte. Dennoch kehrte sie auf die Bodybuildingbühne zurück und nahm im Profi-Bereich die sportliche Herausforderung in der Women’s Physique an. Mit der Olympia-Qualifikation 2025 gelang ihr ein bislang einmaliger Erfolg.
Denise Zwinger-Tynek – der neue Stern am deutschen Frauen-Bodybuilding-Himmel?
Wenn es um das deutsche Frauen-Bodybuilding geht, ist die erste Klasse, an die man denkt, die Figure-Klasse. Nachdem Bahar Ayra erstmals 2021 die Olympia-Qualifikation gelang, folgten mit Jennifer Zienert, Lena Ramsteiner oder Nadine Huber weitere erfolgreiche Profi-Athletinnen aus Deutschland, die sich immer wieder auf der internationalen Bühne bewähren konnten.
Ein Name, der jedoch besonders hervorsticht, ist Denise Zwinger-Tynek. Die Anfang 30-Jährige fuhr in ihrem zweiten Profijahr 2025 mit drei Siegen zu ihrem ersten Olympia und trat bei ihrem Debüt in die Fußstapfen von Anja Langer. Nur knapp verpasste sie die Top 3, was bei vielen deutschen Fans die Hoffnung schürte, dass die Newcomerin erstmals als deutsche Frau einen Titel beim Olympia gewinnen könnte.
Die in der öffentlichen Verwaltung regulär arbeitende Wettkampfathletin will sich jedoch zunächst keine zu großen Ziele setzen. Für ihre zweite Olympia-Teilnahme strebt sie eine Top-3-Platzierung an, was der nächste Schritt in ihrer Karriere wäre. Und wer weiß, ob es ihr nicht doch noch gelingt, Anja Langer als erfolgreichste deutsche Bodybuilderin aller Zeiten abzulösen.
Titelbild: Facebook


















